Pathologien der Schulter

Schulter · Verletzungen

Schulterinstabilität und Schulterluxation

Bei einer Schulterluxation springt der Oberarmkopf aus der Gelenkpfanne, meist nach vorne unten. Dabei reissen oft Kapsel und Gelenklippe (Labrum) ein. Danach bleibt die Schulter häufig instabil – besonders bei jungen, sportlichen Menschen ist das Risiko für weitere Luxationen hoch.

Ursachen

Die meisten Instabilitäten beginnen mit einem Unfall: einem Sturz, einem Zweikampf, einem Skisturz oder einer Ausholbewegung beim Wurf. Dabei löst sich die Gelenklippe mit der Kapsel vom vorderen Pfannenrand (sogenannte Bankart-Läsion). Oft entstehen zusätzlich eine Kerbe am Oberarmkopf (Hill-Sachs-Delle) oder ein Knochenverlust am Pfannenrand.

Seltener ist die Instabilität ohne Unfall. Hier sind Bänder und Kapsel von Natur aus sehr dehnbar, und die Muskulatur kann den Kopf nicht ausreichend zentrieren.

Je jünger man bei der ersten Luxation ist, desto höher ist das Rückfallrisiko. Bei unter 20-Jährigen kommt es in mehr als der Hälfte der Fälle zu einer erneuten Luxation.

Typische Beschwerden

  • Gefühl, dass die Schulter «herausrutscht»
  • Angst und Unsicherheit bei Ausholbewegungen oder Überkopfaktivitäten
  • Wiederholte Luxationen, manchmal schon bei Alltagsbewegungen oder im Schlaf
  • Schmerzen und Kraftverlust, gelegentlich Taubheit am Oberarm

Abklärung

Nach dem Einrenken braucht es Röntgenbilder, um Brüche auszuschliessen. Eine MRI-Untersuchung zeigt Verletzungen von Labrum, Kapsel und Sehnen. Bei wiederholten Luxationen bestimmt eine Computertomographie (CT) den Knochenverlust an der Pfanne. Dieser Wert entscheidet wesentlich über die Wahl der Operation.

Behandlung

Ohne Operation: Nach einer ersten Luxation, vor allem bei älteren oder wenig sportlichen Menschen, genügt oft eine kurze Ruhigstellung und anschliessend ein gezieltes Stabilisationstraining in der Physiotherapie.

Mit Operation: Bei jungen, aktiven Menschen, bei wiederholten Luxationen oder relevanten Begleitverletzungen empfehle ich die Stabilisierung. Bei der arthroskopischen Bankart-Operation wird die Gelenklippe mit kleinen Fadenankern wieder am Pfannenrand befestigt. Fehlt an der Pfanne viel Knochen, ist die offene Latarjet-Operation zuverlässiger: Ein kleiner Knochenblock vom Rabenschnabelfortsatz wird an den vorderen Pfannenrand verschraubt und ergänzt die Pfanne. Mehr dazu unter Arthroskopische Chirurgie und Offene Chirurgie.

Nachbehandlung und Rückkehr zum Sport

Nach der Operation trägt man die Schulterschlinge etwa vier Wochen. Die Aussendrehung bleibt in dieser Zeit begrenzt, damit die Rekonstruktion einheilt. Sport ohne Sturzrisiko ist meist nach rund drei Monaten möglich, Kontakt- und Wurfsportarten nach vier bis sechs Monaten.

Hilfreich: das Übungsprogramm nach Schulterstabilisierung.

Verfasst von Dr. med. Jan Philipp Scacchi, Facharzt FMH für Orthopädie und Traumatologie, Schwerpunkt Schulter- und Ellenbogenchirurgie, ArthroClinic Bern · Stand: Oktober 2026

Weitere Themen: Schulter

Hinweis

  • Diese Übersicht ersetzt keine ärztliche Abklärung
  • Beschwerdebild und Befund entscheiden über die geeignete Therapie
  • Für eine Beurteilung vereinbaren Sie bitte einen Termin

Termin vereinbaren

ArthroClinic BernBremgartenstrasse 1193012 BernTelefon +41 31 570 80 90