Pathologien der Schulter

Schulter · Verletzungen

Riss der Rotatorenmanschette

Die Rotatorenmanschette besteht aus vier Muskeln, deren Sehnen den Oberarmkopf wie eine Manschette umfassen und in der Gelenkpfanne zentrieren. Reisst eine dieser Sehnen, fehlen der Schulter Kraft und Führung. Typisch sind Schmerzen, besonders nachts, und Schwäche beim Heben des Arms.

Illustration: Riss der Rotatorenmanschette am Ansatz der Supraspinatussehne

Wie entsteht ein Sehnenriss?

Es gibt zwei Wege. Beim Unfallriss reisst eine gesunde Sehne durch einen Sturz auf den ausgestreckten Arm oder eine Schulterluxation. Ab etwa 40 Jahren ist eine Luxation häufig mit einem Sehnenriss verbunden.

Häufiger ist der verschleissbedingte Riss. Die Sehnenqualität nimmt mit dem Alter ab, und die Sehne reisst schrittweise ein. Ab dem 60. Lebensjahr ist ein Riss häufig – viele davon verursachen gar keine Beschwerden. Rauchen und langjährige Überkopfarbeit erhöhen das Risiko. Am häufigsten betroffen ist die Supraspinatussehne am oberen Rand der Schulter.

Typische Beschwerden

  • Schmerzen an der Aussenseite des Oberarms, oft bis zum Ellenbogen ausstrahlend
  • Nachtschmerz, vor allem beim Liegen auf der betroffenen Seite
  • Kraftverlust beim Heben oder Drehen des Arms
  • Nach einem Unfall: Der Arm lässt sich plötzlich kaum mehr anheben

Abklärung

Am Anfang stehen das Gespräch und eine gründliche Untersuchung mit gezielten Kraft- und Funktionstests. Röntgenbilder zeigen den Stand des Oberarmkopfs und mögliche Begleitbefunde. Ein Ultraschall oder eine MRI-Untersuchung beurteilt Grösse und Lage des Risses. Wichtig ist dabei auch der Zustand des Muskels: Ist er bereits stark zurückgebildet und verfettet, lässt sich die Sehne oft nicht mehr erfolgreich nähen.

Behandlung

Ohne Operation: Viele verschleissbedingte Risse, vor allem bei älteren Menschen mit geringer körperlicher Belastung, lassen sich gut konservativ behandeln. Gezielte Physiotherapie kräftigt die verbleibenden Muskeln, Schmerzmittel und eine Infiltration lindern die Entzündung. Mehr dazu unter Konservative Therapie.

Mit Operation: Bei frischen Unfallrissen und bei aktiven Menschen empfehle ich in der Regel die Sehnennaht. Sie sollte möglichst innerhalb weniger Wochen erfolgen, weil sich die Sehne danach zurückzieht und der Muskel an Qualität verliert. Die Naht erfolgt minimal-invasiv per Gelenkspiegelung: Die Sehne wird mit kleinen Fadenankern wieder am Knochen befestigt. Ist eine Naht nicht mehr möglich, kommen ein Sehnentransfer oder eine inverse Schulterprothese in Frage.

Nachbehandlung und Prognose

Eine genähte Sehne braucht Zeit zum Einheilen. In den ersten vier bis sechs Wochen trägt man eine Schulterschlinge mit Abduktionskissen, die Physiotherapie bewegt den Arm passiv. Danach folgen aktive Übungen und ab etwa drei Monaten der Kraftaufbau. Die volle Belastbarkeit ist nach sechs bis zwölf Monaten erreicht. Die meisten Patientinnen und Patienten sind danach weitgehend schmerzfrei.

Hilfreich: das Übungsprogramm nach Rotatorenmanschetten-Naht und die Anleitung zur Schulterschlinge.

Verfasst von Dr. med. Jan Philipp Scacchi, Facharzt FMH für Orthopädie und Traumatologie, Schwerpunkt Schulter- und Ellenbogenchirurgie, ArthroClinic Bern · Stand: Oktober 2026

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Hinweis

  • Diese Übersicht ersetzt keine ärztliche Abklärung
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