Pathologien des Handgelenks

Handgelenk · Erkrankungen

Karpaltunnelsyndrom

Beim Karpaltunnelsyndrom wird der Mittelnerv (Nervus medianus) im engen Kanal an der Beugeseite des Handgelenks eingeengt. Typisch sind Kribbeln und Taubheit in Daumen, Zeige- und Mittelfinger, die nachts aus dem Schlaf wecken. Es ist das häufigste Nervenengpasssyndrom überhaupt.

Ursachen

Im Karpaltunnel verlaufen der Mittelnerv und neun Beugesehnen auf engem Raum. Wird es dort enger, gerät der Nerv unter Druck. Frauen zwischen 40 und 60 Jahren sind am häufigsten betroffen. Weitere Risikofaktoren sind:

  • Schwangerschaft und hormonelle Veränderungen
  • Diabetes mellitus, Schilddrüsenunterfunktion und rheumatische Erkrankungen
  • Übergewicht
  • frühere Handgelenksbrüche
  • Arbeit mit vibrierenden Werkzeugen

Typische Beschwerden

  • Kribbeln und Taubheit in Daumen, Zeige- und Mittelfinger
  • Nächtliches Erwachen mit «eingeschlafener» Hand, Schütteln bringt Erleichterung
  • Ungeschicklichkeit, Dinge fallen aus der Hand
  • Spätzeichen: Rückbildung der Muskulatur am Daumenballen

Abklärung

Die typischen Beschwerden und einige einfache Tests bei der Untersuchung geben bereits deutliche Hinweise. Gesichert wird die Diagnose mit einer Messung der Nervenleitgeschwindigkeit beim Neurologen. Sie zeigt auch, wie stark der Nerv bereits geschädigt ist. Ein Ultraschall ergänzt bei Bedarf.

Behandlung

Ohne Operation: Bei leichten Beschwerden hilft eine Nachtschiene, die das Handgelenk in gerader Stellung hält. Eine Kortison-Infiltration in den Karpaltunnel lindert oft für einige Wochen bis Monate. Wichtig ist auch die Behandlung einer möglichen Grunderkrankung.

Mit Operation: Bei anhaltenden Beschwerden, ausgeprägten Messbefunden oder Muskelschwund empfehle ich die Karpaltunnelspaltung. Über einen kleinen Schnitt in der Hohlhand wird das Band durchtrennt, das den Kanal überspannt. Der Nerv bekommt so wieder Platz. Der Eingriff erfolgt ambulant in örtlicher oder regionaler Betäubung und dauert etwa 15 Minuten. Mehr dazu unter Offene Chirurgie.

Nachbehandlung und Prognose

Die Finger werden sofort bewegt, leichte Alltagstätigkeiten sind nach wenigen Tagen möglich. Die Fäden werden nach etwa zwei Wochen entfernt. Die nächtlichen Beschwerden verschwinden oft schon in den ersten Tagen. Eine länger bestehende Taubheit bildet sich über Wochen bis Monate zurück, bei stark geschädigtem Nerv manchmal nicht vollständig. Druckschmerzen in der Hohlhand können einige Wochen anhalten. Insgesamt ist die Operation sehr erfolgreich.

Verfasst von Dr. med. Jan Philipp Scacchi, Facharzt FMH für Orthopädie und Traumatologie, Schwerpunkt Schulter- und Ellenbogenchirurgie, ArthroClinic Bern · Stand: Oktober 2026

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Hinweis

  • Diese Übersicht ersetzt keine ärztliche Abklärung
  • Beschwerdebild und Befund entscheiden über die geeignete Therapie
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